Zwischen Mai und September laufen über das Voxmara-Portfolio Buchungen, Klicks und Suchanfragen aus 26 Fähr- und Reiseportalen zusammen, verteilt auf mehrere Reedereien und Partnerprogramme. Einzeln betrachtet sagt jede dieser Zahlen wenig. Zusammengelegt zeigen sie, wie eine ganze Reisesaison abläuft: wann gesucht wird, wann gebucht wird und wann tatsächlich gefahren wird – und wie weit diese drei Zeitpunkte im Sommer auseinanderrücken.
Drei Befunde stechen heraus. Der Buchungsvorlauf schrumpft im Saisonverlauf von rund elf Tagen im Mai auf zwei bis drei Tage im September. Der Sonntag ist über alle Kanäle hinweg der stärkste Tag für Suche, Klick und Buchung, während tatsächlich am Samstag gefahren wird. Und der 1. August 2026 war mit dem 2,7-Fachen des Sommer-Tagesschnitts der stärkste einzelne Reisetag des Jahres, ausgelöst vom Ferienstart in Baden-Württemberg und Bayern.
Alle Zahlen in diesem Beitrag sind Anteile, Indizes oder Faktoren. Wir veröffentlichen aus Datenschutz- und Wettbewerbsgründen keine absoluten Buchungs-, Klick- oder Umsatzzahlen. Die relativen Bewegungen zeigen die Saison nach unserer Erfahrung ohnehin genauer als eine einzelne große Zahl es könnte.
Die Saisonkurve: ein langes Hochplateau, kein Gipfel
Die Scandlines-Buchungen bilden über den Sommer kein spitzes Muster, eher ein langes Plateau. Ab Pfingsten steigt der Index leicht an, mit einem ersten kleinen Buckel um den 1. Juni, danach ein ruhiger Juni. Ab dem 25. Juni zieht die Kurve deutlich an und bleibt vom 13. bis 31. Juli durchgehend zwischen 160 und 190, mit der Spitze am 19. und 20. Juli. Danach flacht sie langsam ab, Mitte August auf rund 130, Ende August auf Juni-Niveau. Auf Monatsebene: Mai 81, Juni als Referenzwert 100, Juli 156, August 140.
Die Schwedenroute läuft anders und beginnt früher. Der TT-Line-Klickindex zieht schon im Mai an und bleibt von Kalenderwoche 23 bis 33, Juni bis Mitte August, durchgehend zwischen 310 und 500, mit der Spitze in KW 29 (13. bis 19. Juli) bei 499. Im Juli klafft dabei eine Lücke zwischen Interesse und Buchung: Die Abschlussquote fällt auf einen Indexwert von 91, gegenüber 111 bis 113 im Mai und Juni. Der Juli ist für die Schwedenroute ein Schaufenster-Monat, viele klicken, anteilig weniger buchen. Am 15. Juli lagen die Tagesklicks beim 3,1-Fachen des Julidurchschnitts, es gab aber nur einen einzigen Abschluss, ein Ausreißer, dessen Ursache wir nicht kennen.
Auch der Suchtraffic über das gesamte Portfolio folgt diesem Muster. Der Juli 2026 war der stärkste Monat seit Beginn unserer Messung, und der Sommer lag auf gleicher Portalbasis 32 Prozent über dem Sommer 2025. Bei den Unterkunftsbuchungen über Stay22 erreicht der Juli-Index 150, gemessen am Juni als Basiswert 100. Auch hier liegt das Maximum im Juli, nicht im August.
Der Vorlauf: kurzentschlossen und immer kurzfristiger
Der mittlere Vorlauf zwischen Buchung und Abfahrt liegt bei Scandlines über die gesamte Saison bei vier Tagen: 12,1 Prozent der Buchungen erfolgen am Reisetag selbst, weitere 19,3 Prozent einen Tag vorher, fast jede dritte Buchung, 31 Prozent, also am Tag der Abfahrt oder am Vortag. Am anderen Ende liegen nur 4,9 Prozent der Buchungen mehr als 60 Tage vor der Reise.
Über den Saisonverlauf schrumpft dieser Vorlauf weiter. Der Medianwert sinkt von elf Tagen im Mai über neun Tage im Juni und vier Tage im Juli auf drei Tage im August und zwei Tage im September. Der Anteil der Same-Day-Buchungen steigt spiegelbildlich von 8 Prozent im Mai auf 20 Prozent im September, der Anteil der Buchungen mit mindestens 30 Tagen Vorlauf sinkt von 36 Prozent im Mai auf 6 Prozent im August.
Zwischen den Routen gibt es einen klaren Unterschied. Puttgarden–Rødby wird mit einem Median von vier Tagen und 13 Prozent Same-Day-Anteil spontan gebucht, die Kombitickets über Helsingør–Helsingborg (fünf Tage) und die Öresundbrücke (sieben Tage) etwas planvoller, Rostock–Gedser mit acht Tagen Median und nur 7 Prozent Same-Day-Anteil am planvollsten. Die längere Überfahrt verlangt offenbar mehr Vorbereitung. Bei den Unterkünften über Stay22 liegt der mittlere Vorlauf bei zwölf Tagen, von 43 Tagen bei calais-dover-ferry.de bis zu einem Tag bei barcelonamallorca.com.
Der Sonntagseffekt
Über alle drei großen Kanäle hinweg zeigt sich derselbe Wochentag: der Sonntag. Bei Scandlines entfallen 18,8 Prozent aller Buchungen auf Sonntage, das 1,4-Fache des Freitagswerts. Bei TT-Line liegt der Sonntagsanteil bei den Klicks bei 17,7 Prozent und bei den Abschlüssen sogar bei 18,3 Prozent. Im Suchtraffic über das gesamte Portfolio macht der Sonntag 18,6 Prozent der Sommer-Klicks aus, mehr als jeder andere Wochentag.
Von den sechs stärksten Traffic-Tagen des Sommers waren fünf Sonntage, dazu ein Montag: der 12. Juli mit dem 2,2-Fachen des Tagesschnitts, der 19. Juli mit dem 1,8-Fachen, dazu der 5. Juli, der 26. Juli und der 9. August, alle Sonntage, sowie der 13. Juli als einziger Montag in dieser Reihe.
Gefahren wird dagegen am Samstag. 21,9 Prozent aller Reisetage im Sommer fallen auf einen Samstag, mit deutlichem Abstand vor dem Sonntag mit 16,8 Prozent. Geplant und gebucht wird am Sonntag, losgefahren wird am Samstag.
Der Reisekalender folgt den Ferien, nicht dem Kalendermonat
Die stärksten Reisetage im Sommer folgen den Ferienstarts der Bundesländer. Der erste Ausschlag kommt am Samstag, 27. Juni, kurz vor dem Ferienbeginn in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland, gefolgt vom 4. Juli (Index 1,35, Bremen/Niedersachsen), dem Wochenende 11./12. Juli (bis 1,46, Berlin/Brandenburg/Hamburg/Mecklenburg-Vorpommern) und dem 18. Juli (2,0). Den Höhepunkt markiert der 1. August mit dem 2,7-Fachen des Sommer-Tagesschnitts, zwischen den Ferienstarts in Baden-Württemberg (30. Juli) und Bayern (3. August). Werktage im Juni liegen bei einem Index von 0,4 bis 0,6.
Darauf folgt ein Muster aus Hin- und Rückfahrt. 35 Prozent aller Buchungen enthalten eine Rückfahrt, mit steigender Tendenz zum Saisonende, von 31 Prozent im Juni auf 41 Prozent im September. Der Rest sind Einzelstrecken, oft weil der Rückweg getrennt, über die Öresundbrücke oder gar nicht über das Voxmara-Portfolio gebucht wird. Bei den Aufenthalten mit Hin- und Rückfahrt zeigen sich zwei Gipfel und ein drittes Muster daneben: eine Woche, 5 bis 7 Tage, 23 Prozent, zwei Wochen, 11 bis 14 Tage, 17 Prozent, und der Tagesausflug am selben Tag, 22 Prozent, meist ein Kopenhagen-Trip oder ein Bordershop-Einkauf.
Zum Saisonende verschiebt sich der Routenmix. Rostock–Gedser steigt von 16 Prozent im Mai und Juni auf 19 Prozent im August und 25 Prozent im September, während Puttgarden–Rødby von rund 74 auf 68 Prozent zurückgeht. Der Preisindex je Buchung sinkt parallel von 100 im Juni auf 70 im September. Das ist kein Rabatt, es ist ein Mixeffekt: kürzere Fahrten, mehr Einzelstrecken, mehr Tagesausflüge, weniger Kombitickets.
Was im Sommer gesucht wurde
76 Prozent aller Suchklicks im Sommer 2026 kamen über das Smartphone, 21 Prozent über Desktop, der Rest über Tablet. Bei der Herkunft dominiert Deutschland mit 69 Prozent, gefolgt von Dänemark mit 10 Prozent und Schweden mit 5 Prozent, dahinter Norwegen, Frankreich, die Niederlande, Spanien und die Schweiz mit jeweils unter 2 Prozent.
Interessanter als die Rangfolge ist die Verschiebung der Themen zwischen Juni und August. Der Anteil von Preis- und Angebotssuchen sinkt von 9,5 auf 7,8 Prozent, wer im August fährt, fragt seltener nach dem Preis als wer im Juni plant. Umgekehrt verläuft es bei den betriebsnahen Themen: Der Anteil von Fragen zu Wetter, Sturm oder Ausfall verfünffacht sich von 0,11 auf 0,58 Prozent, die Suche nach der Live-Position der Fähre steigt von 0,8 auf 1,4 Prozent, fast eine Verdopplung. Fahrplan- und Dauer-Fragen legen im August ebenfalls leicht zu, während Kombiticket- und Brücken-Fragen im Saisonverlauf kontinuierlich abnehmen. Zoll-, Tank- und Bordershop-Themen liegen dagegen den ganzen Sommer über bei rund 5 Prozent, ein stabil großer Block neben den reinen Fährfragen.
Bei den Suchbegriffen selbst dominieren Varianten von „Fähre Fehmarn Dänemark" und „Fähre Puttgarden Rødby". Auffällig ist daneben die Formulierung „Fähre Fehmarn Schweden": Ein Teil der Nutzer denkt die Schwedenreise offenbar über Fehmarn und ein Kombiticket, statt über die direkte Route ab Rostock.
Europas Fährrouten bei Direct Ferries
Der Partnerreport von Direct Ferries deckt 15 Routen ab, von der Nordsee bis zu den Bahamas, und zeigt fünf sehr unterschiedliche Muster. Kurze Strecken ohne echte Alternative konvertieren am besten: Der Ärmelkanal, Calais–Dover, liegt ebenso wie Tallinn–Helsinki bei etwa dem Doppelten der durchschnittlichen Conversion-Rate über alle Routen. Wer diese Strecken sucht, hat kaum eine andere Wahl als die Fähre und bucht entsprechend zügig.
Am anderen Ende steht Fort Lauderdale–Bimini zu den Bahamas: Fast jeder zweite Klick löst eine Preisabfrage aus, die Conversion liegt aber bei nur einem Zehntel des Durchschnitts. US-Nutzer informieren sich offenbar ausführlich und buchen dann direkt beim Betreiber. Ähnlich, wenn auch weniger extrem, zeigt sich das bei Cherbourg–Rosslare: mehr Preisabfragen als Klicks, Nutzer probieren mehrere Termine durch, kommen bei der langen Route mit Kabinenpflicht aber seltener zum Abschluss.
Ein drittes Muster zeigt Helsingør–Helsingborg: die niedrigste Preisabfrage-Quote aller Routen und eine schwache Conversion. Die zwanzigminütige Überfahrt wird offenbar spontan am Hafenschalter bezahlt, nicht vorab online gebucht. Insgesamt trägt Norwegen, also Hirtshals–Kristiansand und Hirtshals–Larvik zusammen, mit knapp einem Viertel den größten Klickanteil aller 15 Routen.
Unterkünfte: kurz, mobil, oft storniert
Bei den Unterkunftsbuchungen über Stay22 dominiert ebenfalls das Smartphone, mit 74 Prozent aller Buchungen gegenüber 25 Prozent Desktop. Booking.com ist mit 82 Prozent der mit Abstand größte Anbieter, vor Hotels.com mit 12 Prozent und Expedia mit 6 Prozent. Bei der Herkunft fällt der Anteil aus Schweden auf: 12 Prozent aller Buchungen kommen von schwedischen Nutzern, die über die schwedischsprachigen Seiten von insel-moen.de zu Møn finden.
Der mittlere Aufenthalt liegt bei einer Nacht, im Schnitt bei 2,3 Nächten. Zielland ist zu 41 Prozent Dänemark, aber 18 Prozent der Buchungen liegen in Deutschland, meist entlang der Anreiseroute: Kiel, Travemünde, Heidelberg, Dresden, München. Bei hirtshalskristiansand.de kommen die Buchungen über reine Fähr-Infoseiten, etwa zum Parken in Hirtshals oder zur SuperSpeed-Route, und rund die Hälfte davon endet bei Hotels in Deutschland: die Übernachtung vor der Fähre, nicht am Reiseziel.
Auffällig ist die Stornoquote. Sie liegt insgesamt bei 13 Prozent, steigt bei Aufenthalten ab fünf Nächten aber auf 35 Prozent, während sie bei einer einzelnen Nacht nur bei 11 Prozent liegt. Die großen Ferienhauswochen werden überdurchschnittlich oft wieder storniert, die kurze Zwischenübernachtung auf der Anreise bleibt dagegen fast immer bestehen.
Was wir daraus für 2027 mitnehmen
Aus den Daten der Sommersaison 2026 leiten wir sechs Thesen für die Arbeit an den Portalen im kommenden Jahr ab.
- Der Buchungsvorlauf schrumpft über den Sommer auf zwei bis drei Tage. Fährportale müssen im Hochsommer tagesaktuell sein, bei Fahrplan, Wetter und Position der Fähre, und im Frühjahr eher preis- und vergleichsstark.
- Der Sonntag ist über Suche, Klick und Buchung hinweg der Planungstag. Newsletter, Kampagnen und Inhaltsaktualisierungen gehören eher auf Samstag oder Sonntag als auf einen Werktag.
- Der Ferienkalender der Bundesländer ist der verlässlichste Hinweis auf starke Reisetage. Die Wochenenden um den 18. Juli, den 25. Juli und den 1. August trugen 2026 die Spitze der Saison, mit dem 1. August als stärkstem einzelnen Reisetag.
- Schweden-Reisende buchen über TT-Line und Kombiticket früher und planvoller als Dänemark-Reisende. Ihre Saison beginnt bereits im Mai.
- Kurze, klar bepreiste Strecken konvertieren online gut. Lange Routen und weiter entfernte Ziele werden bei uns recherchiert, aber oft anderswo gebucht.
- Für 2027 planen wir Frühbucher-Inhalte ab Januar für Kombitickets und Schweden, Preisvergleiche im Mai und Juni, Betriebsinformationen im Juli und August und im Herbst den Fokus auf Rostock–Gedser und Kopenhagen-Trips.
Der nächste Datenbeitrag folgt zum Jahresende und schaut auf die Herbst- und Weihnachtssaison, wenn sich das Bild von Ferienreisen zu Kurztrips und Feiertagsverkehr verschiebt.
Alle Werte indexiert oder als Anteil; keine absoluten Buchungs- oder Umsatzzahlen. Quellen: Partnerprogramme Scandlines, TT-Line (Adtraction), Direct Ferries, Stay22; Google Search Console. Auswertung Voxmara, September 2026.